Krebsgefahr durch Glyphosat – foodwatch fordert: Keine neue Zulassung für umstrittenes Pflanzenschutzmittel – E-Mail-Aktion an EU-Lebensmittelbehörde EFSA

Berlin, 5. August 2015. Die Verbraucherorganisation foodwatch hat die Europäische Union aufgefordert, keine neue Zulassung für das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat zu erteilen. Vor der Entscheidung, ob das Herbizid auch in den folgenden zehn Jahren in der Landwirtschaft eingesetzt werden darf, appellierte Matthias Wolfschmidt, stellvertretender Geschäftsführer von foodwatch: „Glyphosat steht unter Krebsverdacht. Solange dieser Verdacht nicht ausgeräumt werden kann, darf es keine Zulassung mehr geben.“

Die Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte Glyphosat in einer aktuellen Studie als „wahrscheinlich krebserregend“ beim Menschen eingestuft. Das weit verbreitete Unkrautvernichtungsmittel – bekannt vor allem unter dem Handelsnamen „Round up“ des US-Konzerns Monsanto – hat in der EU derzeit noch eine Zulassung bis Ende des Jahres. Im laufenden Verfahren muss die Europäische Kommission über eine Erneuerung der Zulassung für die nächsten zehn Jahre entscheiden. Zuvor muss die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA ihre Empfehlung an die Kommission abgeben. In Reaktion auf die Glyphosat-kritische WHO-Studie wurde dafür kurzfristig die Abgabefrist von nächstem Donnerstag (13. August) auf Ende des Jahres verschoben. Die EFSA-Bewertung gilt als zentral für die Entscheidung. foodwatch startete deshalb am Mittwoch unter www.glyphosat-aktion.foodwatch.de eine E-Mail-Aktion an EFSA-Präsident Bernhard Url mit dem Ziel, die Neuzulassung zu stoppen.

„Es gilt das Vorsorgeprinzip: Die EFSA muss die Bürgerinnen und Bürger vor verheerenden Gesundheitsgefahren schützen und darf keine Entscheidungen zugunsten der Profit-Interessen von Monsanto & Co. treffen. Solange die Sicherheit von Glyphosat nicht belegt ist, darf es nicht mehr auf die Äcker kommen“, sagte Matthias Wolfschmidt.

In der EU gilt Glyphosat bisher „nur“ als giftig für den Menschen. Grenzwerte für Rückstände in Lebensmitteln sollen dafür sorgen, dass Verbraucherinnen und Verbraucher nicht zu viel des Stoffes aufnehmen. Mit der Neu-Einstufung der WHO-Experten als „wahrscheinlich krebserregend“ wären diese Grenzwerte hinfällig, denn bei solchen Substanzen können selbst geringste Mengen große Schäden anrichten. Neben der krebserregenden Wirkung gibt es außerdem Hinweise darauf, dass Glyphosat zu Fehlbildungen bei Embryonen führen und hormonell wirksam sein könnte. Anders als die WHO-Krebsforschungsagentur kommt die zuständige deutsche Behörde, das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), in seiner Empfehlung an die EU zu dem Schluss, das Herbizid sei ungefährlich – jedoch ohne die ausführliche Studie des IARC zu kennen, welche erst nach der im April 2015 abgegebenen BfR-Bewertung erschien.

Allerdings hatten Glyphosat-Hersteller offenbar starken Einfluss auf die Einschätzung des BfR. Bei seiner Anfang 2015 zu Glyphosat abgegebenen Bewertung „berücksichtigte“ das deutsche Institut beispielsweise neben den Kommentaren der EFSA, der EU-Mitgliedstaaten und der Öffentlichkeit auch ausdrücklich die Stellungnahme der sogenannten „Glyphosate Task Force“ – einer Lobbygruppe von Monsanto, Syngenta & Co, die zu dem Zweck gegründet wurde, eine Verlängerung der Zulassung von Glyphosat zu erwirken.

„Der Zulassungsprozess ist eine Farce, solange die Chemie-Lobby derart massiven Einfluss auf die Risikobewertung hat“, so Matthias Wolfschmidt.

Glyphosat ist das weltweit am häufigsten verwendete Unkrautvernichtungsmittel. Auch in Deutschland kommen jährlich fast 6.000 Tonnen zum Einsatz. Bei Stichprobenuntersuchungen war es im Urin und auch in Muttermilch der Probandinnen nachzuweisen. Der globale Agro-und Chemiekonzern Monsanto vertreibt passend zu seinem Pestizid auch gentechnisch veränderte Pflanzen, die gegen das Mittel resistent sind. Durch den weltweiten Anbau dieser sogenannten „Roundup Ready“-Pflanzen hat sich auch die eingesetzte Menge des Pestizids, besonders in Nord- und Süd-Amerika, dramatisch erhöht. In Europa, wo derzeit keine dieser gentechnisch-veränderten Pflanzen zum Anbau zugelassen ist, wird Glyphosat in der konventionellen Landwirtschaft zur Vorbereitung des Ackers vor dem Aussähen der Pflanzen verwendet.

E-Mail-Aktion von foodwatch an Dr. Bernhard Url, Präsident der EFSA: www.glyphosat-aktion.foodwatch.de

Aussender: foodwatch e.V., Martin Rücker
Redaktion: TG / Hallo-Holstein