DJ: Club-Betreiber gehen gegen Tarifreform vor (Foto: flickr.com/discomate)

Tarifreform der GEMA im Kreuzfeuer der Clubs – Studentin untersucht Anteil von Lizenz-Musik in Diskotheken

Stuttgart – Eine Studentin der Medienwissenschaften geht in einer Studie der Frage nach, wie viel urheberrechtlich geschützte Musik in Diskotheken gespielt wird. Anlass ist die von der deutschen Verwertungsgesellschaft GEMA http://gema.de geplante Reform der Tarife, die in der Clubszene einen gewaltigen Aufschrei ausgelöst hat.DJ: Club-Betreiber gehen gegen Tarifreform vor (Foto: flickr.com/discomate)

 

Anteil von Lizenz-Musik unklar

 

„Die Thematik GEMA und Clubkultur beschäftigt zurzeit sehr viele Menschen, vor allem auch Personen, die eigentlich nicht davon betroffen sind. Dieses Potenzial wollte ich für die Studie nutzen“, erklärt die Stuttgarterin Victoria Götz in einem Interview mit dem Freiburger Online-Medium Fudder.

Die Studentin ist bei ihren Recherchen auf unterschiedliche Aussagen gestoßen und ortet einen großen Anteil an Schätzungen und Spekulationen. „Der Musiker Sven Väth beispielsweise hat in einem persönlichen Statement behauptet, dass er nur 20 Prozent GEMA-haltige Musik spiele. In der Zeitschrift DJ-Mag hingegen wurde der durchschnittliche Anteil urheberrechtlich geschützter Musik in einem Techno-Set auf lediglich fünf Prozent geschätzt. Das fand ich so interessant, dass ich beschlossen habe, der Sache auf den Grund zu gehen“, sagt Götz.

Götz wird für ihre Untersuchung bis zum 17. Oktober Tracklisten von deutschen Djs sammeln und die Namen der Urheber herausfinden. „Das ist notwendig, da die GEMA in ihrem Katalog keine Pseudonyme der Künstler aufführt“, so die Studentin. In der letzten Phase will sie die Lieder auf womögliche GEMA-Eintragungen prüfen. „Hierfür werden sowohl der Katalog der GEMA als auch die Verzeichnisse ausländischer Verwertungsgesellschaften einbezogen. Aufgrund des großen Echos hat die 26-Jährige einen Blog http://technostudie.org eingerichtet, wo man sich über den Fortschritt der Studie informieren kann.

Gleicher Tarif für alle

Die deutsche Verwertungsgesellschaft möchte zum 1. April 2013 ihr oft als unübersichtlich kritisiertes Tarifmodell mit elf Abgabetarifen beenden. Mit dem neuen System sollen alle Veranstalter gleich viel bezahlen und in zwei vereinfachte Tarife eingestuft werden.

Die Gebühren werden auf der Basis von Eintrittspreis und Raumgröße berechnet. Unerheblich ist, ob die Urheber der in den Clubs gespielten Musik bei der GEMA gemeldet sind. Gegen die neuen Bestimmungen treten immer mehr Clubbetreiber ein, die ihre Existenz in Gefahr sehen. So auch die Initiative Kultur-Retten http://kultur-retten.de , hinter der ein Aktionsbündnis von Veranstaltern, Club-Betreibern und Event-Agenturen aus ganz Deutschland steckt, aus dessen Sicht eine Angemessenheit bei der Tarifgestaltung der neuen Tarife nicht mehr gewahrt ist.

Petition gegen Pläne

„Die Folgen sind gravierend, Diskotheken und Clubs werden schließen und Veranstaltungen, die das kulturelle Stadtbild prägen, werden nicht mehr stattfinden“, schreiben die Initiatoren der Petition gegen die Tarifreform http://bit.ly/QKlnlB . „Tausende Arbeitsplätze werden im Umfeld der Veranstaltungskultur vernichtet. Kulturelle Nischen werden ausgehungert, da die GEMA in Zukunft Kultur nach ihrer Wirtschaftlichkeit definiert. Ganze Kulturbereiche werden durch die Tarifreform zum chronischen Härtefall.“

Die GEMA sieht die Angelegenheit anders und kündigt für soziale, religiöse und kulturelle Veranstaltungen, die keine wirtschaftlichen Ziele verfolgen, Ermäßigungen an. „Die Urheber dieser Musik haben in ihre Arbeit, ihre Kreativität und ihr Können investiert und ermöglichen damit die Existenz von Clubs und Diskotheken. Wenn diese Musikurheber nicht angemessen für ihre Leistung vergütet werden, kann es in Zukunft auch keine Clubs und Diskotheken mehr geben“, argumentiert die GEMA in einer Presseaussendung.

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