Meeresschutzgebiet mit Fischereiverbot statt Robbenabschuss: PETA protestiert gegen Robbenabschusspläne des Europaabgeordneten Kuhn

Brüssel / Stuttgart, 11.07.18 – Verquere Logik: Angesichts des Rückgangs der Heringsbestände in der westlichen Ostsee betrachten Fischer Robben als Konkurrenz…

Der CDU-Europaabgeordnete Werner Kuhn, Vize-Chef des EU-Fischereiausschusses, schließt Abschüsse von Robben künftig nicht aus, da die Fischer neben klimatischen Veränderungen die Robbenpopulation für den Rückgang der Heringsbestände verantwortlich machen. Kuhn spricht sich zudem gegen das von der Wissenschaft empfohlene Hering-Fangverbot für 2019 aus, durch das sich die Population erholen soll. Die Tierrechtsorganisation PETA kritisiert die in Erwägung gezogene Tötung von Robben scharf und fordert, das Fangverbot für Heringe umzusetzen.

„Nicht die Robben, sondern die Fischerei ist für den Rückgang der Fischpopulationen verantwortlich“, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA. „Jetzt müssen die Politiker Verantwortung übernehmen und verstärkt Meeresschutzgebiete ausweisen, in denen jeglicher Fischfang und die Jagd auf alle Tiere verboten sind.“

Robben galten an der deutschen Ostseeküste lange als ausgerottet. Erst in den vergangenen Monaten wurde bekannt, dass sie dort erstmals wieder Nachwuchs bekamen und offenbar heimisch werden. Dass nun aus Konkurrenzdenken und Angst der Fischer um die Heringsbestände von einem Mitglied des Europaparlaments unverblümt die Tötung von Robben in Deutschland in Betracht gezogen wird, verurteilt PETA scharf. „Es ist erschreckend genug, dass jedes Jahr beispielsweise die kanadische Regierung das Abschlachten hunderttausender Robben erlaubt“, so Breining. Babyrobben, die gerade einmal ein paar Wochen alt sind, werden ihres Felles wegen die Schädel eingeschlagen oder sie werden erschossen.

Heringe, die CDU-Politiker Kuhn trotz empfohlenem Fangverbot bejagen lassen möchte, sind sehr soziale Tiere, die in Schwärmen von mehreren Tausend Tieren leben und miteinander kommunizieren. Manche Fische singen sogar wie Vögel in der Morgen- und Abenddämmerung im Chor. Internationale wissenschaftliche Studien zeigen, dass Fische Stress, Angst und Schmerz spüren [2]. Fische sind zudem sehr intelligente Tiere, die durch Beobachten lernen, Jagdpläne schmieden, Werkzeuge benutzen, Gesichter unterscheiden können und ein teils verblüffendes Gedächtnis haben.

Jedes Jahr werden zwischen 970 und 2700 Milliarden Fische für die menschliche Ernährung aus den Ozeanen gezogen. Weitere 450 bis 700 Milliarden werden gefangen, um daraus Fischmehl und -öl für die Fütterung ihrer 37 bis 120 Milliarden Artgenossen herzustellen, die weltweit in Aquakulturen gezüchtet werden [3]. Aus den Meerestiefen heraufgezogen leiden Fische unter einer qualvollen Druckverminderung, die dazu führt, dass ihre Augen aus den Höhlen treten und Speiseröhre und Magen aus dem Mund herausgepresst werden. Wenn sie nicht bereits in den Netzen zerquetscht werden oder ersticken, werden sie an Bord der Schiffe lebend auf Eis gelegt oder häufig ohne Betäubung aufgeschnitten und ausgenommen, da das Tierschutzgesetz bei Fischen eine Ausnahme von der Betäubungspflicht macht.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten, wir an ihnen experimentieren oder sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten.

[1] https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2010-08/robben-embargo-inuit.

[2] Stellungnahme des FLI zu den Veröffentlichungen von Rose et al. (2012) sowie Arlinghaus und Cyrus (2013) (Berichterstatter: Dr. Michael Marahrens, Dr. Inga Schwarzlose), 2013.

[3] Fishcount.org.uk.

Weitere Informationen: PETA.de/RettetdieRobbenAlexandraKamp, PETA.de/11-Gruende-Warum-Fische-Genauso-Sind-Wie-Wir

Aussender: Denis Schimmelpfennig, PETA Deutschland e.V.
Redaktion: Torben Gösch

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