Reaktordruckbehälter in Krümmel wird chemisch gereinigt

KIEL/GEESTHACHT. Ab kommenden Montag (4. April) beginnen im Kernkraftwerk Krümmel umfassende Maßnahmen zur Verringerung radioaktiver Verunreinigungen des Reaktordruckbehälters und angrenzender verfahrenstechnischer Systeme. Das teilte die schleswig-holsteinische Atomaufsichtsbehörde (Energiewendeministerium) heute (1. April 2016) in Kiel mit…

Ziel ist eine erhebliche Senkung der radioaktiven Strahlung durch Entfernung von radioaktiv belasteten Ablagerungen. Das wird nicht nur den späteren Abbau des Kernkraftwerks beschleunigen, sondern auch das Abfallvolumen deutlich reduzieren. Im Auftrage der Vattenfall-Betreibergesellschaft wird diese „Full System Decontamination“ (FSD) von dem Unternehmen AREVA durchgeführt, das über einschlägige nationale und internationale Erfahrung verfügt.

Für die Atomaufsichtsbehörde steht auch bei dieser Maßnahme der Strahlenschutz im Vordergrund aller Erwägungen. „Es ist nachvollziehbar, dass Vattenfall in Krümmel diese Systemdekontamination beantragt hat“, sagte der Leiter der Atomaufsicht, Dr. Dr. Jan Backmann. „In Krümmel ist es während des Leistungsbetriebs zu deutlich mehr Brennelementschäden gekommen als etwa im Kernkraftwerk Brunsbüttel. Durch diese Brennelementschäden ist das Reaktorwasser und dann auch der Druckbehälter vergleichsweise stärker verunreinigt worden. Deshalb sind zusätzliche Reinigungsarbeiten vor Beginn der Abbaumaßnahmen in Krümmel sinnvoll. Die Atomaufsicht wird die Strahlenbelastung des mit den Reinigungsarbeiten betrauten Personals und die Einhaltung der genehmigten radioaktiven Abgabewerte engmaschig überwachen“, so Backmann.

Hintergrund:

Bei einer vollständigen Systemdekontamination oder FSD im Kernkraftwerk werden radioaktive Verunreinigungen von Komponenten und Systemen mit Hilfe chemischer Stoffe (hier: Oxalsäure) von der Oberfläche gelöst, in spezielle Filter gespült und einer geordneten Beseitigung zugeführt. Die Arbeiten werden sich vermutlich über bis zu sechs Wochen erstrecken.

Aussender: Nicola Kabel, Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (SH)
Redaktion: TG