Platte: Industrie sucht andere Assets (Foto: pixelio.de, Andre Knoop)

Künstler verlieren Kontrolle über Social Media – Profildaten wecken Begehrlichkeiten bei Plattenfirmen

Die Social-Media-Profile berühmter Persönlichkeiten entwickeln teilweise enorme Zugkraft. Musikerin Lady Gaga hat kürzlich die 20-Mio.-Verfolger-Marker bei Twitter übersprungen. Vor allem aufstrebende Künstler, deren Social-Media-Präsenz erst in Zusammenarbeit mit einer Plattenfirma entwickelt wird, müssen neuerdings Verträge unterzeichnen, die dem Unternehmen die Nutzungsrechte für die Accounts übertragen. Unabhängige Firmen sind in der Regel toleranter als große Konzerne, wie Mashable berichtet. Auch in anderen Branchen wird der Kampf um die Online-Gefolgschaft härter.Platte: Industrie sucht andere Assets (Foto: pixelio.de, Andre Knoop)

 

„Ich denke, es wird in Zukunft häufiger vorkommen, dass die Account-Verwendung vertraglich geregelt wird. Labels haben wenig Nutzen davon, wenn sie die Kontrolle über Künstler-Profile behalten. Es entsteht lediglich Schaden für die betroffenen Musiker, die sich eine neue Präsenz aufbauen müssen. Wenn die Plattenfirma eine Agentur bezahlt hat, um Social-Media-Profile zu betreuen, sehe ich eher einen Besitzanspruch. Durch den Verkauf von Accounts kann Geld verdient werden“, sagt Bianca Brendel von der Social Media Agency http://www.socialmediaagency.de im Gespräch mit pressetext.

 

Generationenkonflikt

Dass Fans in sozialen Netzwerken bare Münze wert sind, haben auch Firmen abseits der Musikbranche erkannt. Kürzlich hat die Firma Phonedog einen ehemaligen Mitarbeiter auf über 300.000 Dollar verklagt, weil er bei seinem Abgang einen Twitterr-Account mitgenommen hat (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/20120103003/ ). Ein Urteil ist in dem Fall noch nicht gefallen. „Wenn ein Firmen-Account offiziell während der Arbeitszeit und gegen Bezahlung betreut wird, gehört das Profil meiner Meinung nach dem Unternehmen. Wird über einen privaten Kanal ab und an etwas berufliches verbreitet, nicht“, so Brendel.

Jüngere Menschen, die mit sozialen Medien aufgewachsen sind, haben meist ein stärkeres Bewusstsein für die Notwendigkeit, die eigene Online-Identität zu schützen. Viele kleinere Plattenfirmen erlauben ihren Künstlern, die uneingeschränkte Kontrolle über ihre Social-Media-Accounts zu behalten. Sie helfen zwar bei der Erarbeitung eines Konzepts und machen Vorschläge, halten sich ansonsten aber zurück. „Wenn ein Künstler unsere Firma verlässt, kann er seine Accounts und alle anderen Kontaktlisten mitnehmen“, sagt Jason Fisher von Epitaph Records http://www.epitaph.com .

Harte Bandagen

Die Major Lanels sind oft weniger entgegenkommend. „Ich weiß, dass es Verträge gibt, die sehr genau festlegen, dass zumindest ein Teil der Rechte bei der Plattenfirma bleibt“, so Jeremy Maciak von Vagrant Records http://wwwe.vagrant.com . Die Situation entwickelt sich ähnlich, wie einst bei den Internet-Auftritten der Klünstler, die zumeist von den Plattenfirmen betreut werden.

Vor allem Künstler, die vor Unterzeichnung ihres Vertrags noch keine eigene Social-Media-Präsenz aufgebaut haben, sind in einer schlechten Verhandlungsposition. Das Interesse daran, die wertvollen Accounts zu kontrollieren, nimmt jedenfalls zu. Die großen Plattenfirmen waren bislang zu keiner Stellungnahme bereit.

Aussender: pressetext.redaktion Ansprechpartner: Markus Keßler
Website: www.pressetext.com
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