Kieler Leitbild und örtliche Teilhabeplanung für Menschen mit Behinderung aktualisiert

Würde, Teilhabe, Gerechtigkeit – diese Schlüsselbegriffe des Zusammenlebens standen im Mittelpunkt der Arbeit am Leitbild und der örtlichen Teilhabeplanung für Menschen mit Behinderung in der Landeshauptstadt Kiel. Das erste Leitbild, ein Vorreiter in Schleswig-Holstein, wurde 2007 von der Ratsversammlung verabschiedet. Jetzt liegt die aktualisierte Fassung mit Anpassungen und Ergänzungen vor. Aufgeführt sind darin auch Projekte, die in diesem Jahr unterstützt werden, sowie Handlungsempfehlungen in den Bereichen Stadtverwaltung, Wohnen, Bildung, Arbeit und Beschäftigung, Barrierefreiheit und Mobilität, Kultur und Freizeit sowie Öffentlichkeits- und Medienarbeit. Schon die Art der Veröffentlichung baut weitere Barrieren ab: In der Broschüre wird der aktualisierte Leitbildtext durch Kurzfassungen am Rand in leicht verständlicher Sprache ergänzt, die Broschüre kann im Internet unter www.kiel.de/menschen-mit-behinderung heruntergeladen werden. Der Text wurde außerdem in Englisch, Französisch, Türkisch, Russisch, Dänisch, Schwedisch, Polnisch und Arabisch übersetzt und liegt auch in Braille-Schrift (Blindenschrift) und als Audiodatei vor.

In der Arbeit und Planung für und mit Menschen mit Behinderung nimmt die Landeshauptstadt Kiel eine Vorreiterrolle in Schleswig-Holstein ein. Das 2007 erstmals verabschiedete Leitbild und die örtliche Teilhabeplanung für Menschen mit Behinderung war und ist ein wichtiger Schritt hin auf das Ziel, Menschen mit Behinderung eine selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen.

Lebensumstände, rechtliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen verändern sich stetig. Daher beauftragte die Ratsversammlung eine Projektgruppe mit der Überarbeitung und Aktualisierung des Leitbildes. Dabei galt es auch, die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung zu berücksichtigen. Die Projektgruppe bestand aus Vertreterinnen und Vertretern der Ratsfraktionen, des Beirats für Menschen mit Behinderung, der Verbände, der Selbsthilfegruppen, der Leistungserbringer sowie der Stadtverwaltung. Viele von ihnen waren bereits am Entstehen des ersten Leitbildes beteiligt.

In zwölf Sitzungen wurde nachgedacht, unter welchen Bedingungen Inklusion (Einbeziehung, Dazugehörigkeit) als selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben möglich ist und welche Barrieren – auch in den Köpfen – diesem Ziel entgegenstehen. Diskutiert wurde ebenfalls über die Frage, wie Öffentlichkeitsarbeit gestaltet werden muss, damit Kiel dem Ziel einer Stadt ohne Barrieren näher kommt. Dabei arbeitete die Projektgruppe nicht hinter verschlossenen Türen, die Öffentlichkeit war an der Aktualisierung stark beteiligt.

Der Leitbild-Textentwurf wurde im Februar 2011 an Vereine und Verbände sowie an städtische Ämter und Betriebe zur Stellungnahme übersandt. Die Projektgruppe diskutierte über die eingegangenen Stellungnahmen und arbeitete die Ergebnisse in den Gesamttext ein. Zudem wurde der Entwurf Mitte April in einem großen sozialpolitischen Hearing (Anhörung) im Rathaus diskutiert. Auch dessen Ergebnisse flossen ein in das Leitbild und die örtliche Teilhabeplanung, die dann am 9. Juni von der Ratsversammlung einstimmig beschlossen wurden.

Die Ratsversammlung hat für zusätzliche Maßnahmen zur Umsetzung des Leitbildes und der örtlichen Teilhabeplanung 150.000 Euro bereitgestellt. Dazu gehören die Übersetzungen des Leitbildes in acht Sprachen, auch der Stadtplan für Menschen mit Behinderung wurde aktualisiert und in sechs weiteren Sprachen (Englisch, Türkisch, Russisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch) veröffentlicht. Außerdem ist auf den städtischen Internetseiten unter anderem eine Auflistung sämtlicher Behindertenparkplätze erschienen. Zudem wird die Broschüre „Fit in Kiel – Sport für Menschen mit und ohne Behinderung“ aktualisiert. Das Integrative Theater Kiel wird mit 15.000 Euro unterstützt und das Spielmobil „Alle Inklusive“ – ein Bewegungsparcours für Kinder und Jugendliche – mit 25.000 Euro in diesem Jahr gefördert. Ein Fotowettbewerb „Kiel mit und ohne Barrieren“ ist in Vorbereitung.

 

Arne Gloy
Landeshauptstadt Kiel
Amt für Kommunikation, Standortmarketing und Wirtschaftsfragen