DAK und UKSH starten gemeinsames Telemedizinprojekt „Mein Herz“ Versorgung von Versicherten mit schwerer Herzinsuffizienz in Schleswig-Holstein wird deutlich verbessert

Mit einer telemedizinischen Betreuung von Herzpatienten verbessert das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Zusammenarbeit mit der DAK und den beteiligten Haus- und Fachärzten die Versorgung von Herzpatienten in Schleswig-Holstein. Beim Projekt „Mein Herz“, das die DAK seinen Versicherten anbietet, werden Patienten mit der Hauptdiagnose „Herzinsuffizienz“ zu Hause über eine Ferndiagnose medizinisch betreut. Mit einem der größten telekardiologischen Projekte Deutschlands soll vor allem eine Erhöhung der Diagnosesicherheit erzielt und eine schnellere und effektivere Therapieeinleitung sichergestellt werden. Bei einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) hängt die Lebensqualität der Betroffenen in erster Linie von der Früherkennung einer Verschlechterung und von der engmaschigen Betreuung durch ein gut vernetztes Team von Ärzten ab. „Bei chronischer Herzschwäche verunsichert jeder Schweißausbruch oder schnelle Pulsschlag“, sagt Cord-Eric Lubinski, DAK-Vertragschef für Schleswig-Holstein. Daher gäbe es Betroffene, die zum Arzt oder ins Krankenhaus gehen, obwohl dies gar nicht erforderlich wäre. Andere dagegen ignorierten Alarmsignale – mit fatalen Folgen für ihre Gesundheit. „Die telemedizinische Betreuung ermöglicht eine frühere Erkennung der Risikofaktoren und verbessert so spürbar die Behandlungsqualität“, sagt Lubinski über das Projekt, das für alle DAK-Versicherten freiwillig und kostenlos ist.

Im Mittelpunkt des neuen Angebots am UKSH steht ein täglicher Gesundheits-Check in den eigenen vier Wänden, durch den sich unnötige Arztbesuche und Wartezeiten verringern sollen. Dabei werden die Patienten in zwei Gruppen geteilt. Patienten, denen bereits ein Herzschrittmacher oder Defibrillator implantiert wurde, werden über ein Zusatzgerät rund um die Uhr überwacht, indem die Gesundheitsdaten über den Telefonanschluss direkt an die telekardiologische Abteilung des UKSH weitergegeben werden. Herzpatienten ohne Implantat bekommen ein elektronisches Blutdruckmessgerät, eine elektronische Waage und ein 12-Kanal EKG zur Verfügung gestellt. Die gemessenen Vitalparameter des Patienten werden an das Telemedizinzentrum des UKSH am Campus Lübeck weitergeleitet. Zusätzlich werden diese Patienten regelmäßig von einer Pflegekraft zu Hause angerufen.

„Wenn wir bei der Auswertung der Daten sehen, dass es den Herzkranken schlechter geht, können wir hier in der Klinik reagieren. Gleichzeitig erhöhen wir die Lebensqualität der Betroffenen, indem unnötige Krankenhausaufenthalte in Sinne des Patienten vermieden werden“, sagt Prof. Dr. Joachim Weil, stellvertretender Direktor der Medizinischen Klinik II, Campus Lübeck, und Telemedizin-Projektleiter am Campus Lübeck. „Mit dem Projekt helfen wir unseren Patienten, mehr über ihre Erkrankung zu lernen und selbstbestimmt und verantwortlich zu leben“, ergänzt Prof. Dr. Hendrik Bonnemeier, Leitender Oberarzt und stellvertretender Direktor der Klinik für Innere Medizin III, Campus Kiel, und Telemedizin-Projektleiter am Campus Kiel. „Gerade Hochrisikopatienten mit hochkomplexen Herzschrittmacherimplantaten zur Behandlung der Herzinsuffizienz erhalten durch das Telemedizinprojekt ein zusätzliches Maß an Sicherheit“, betont der Spezialist für Herzrhythmusstörungen. Zudem werde insbesondere durch die effektive Aufgabenteilung zwischen den Campus Kiel und Lübeck eine wohnortnahe Versorgung bei höchster Fachkompetenz erreicht, betonen die Mediziner.

Die telemedizinische Versorgung dauert in der Regel 24 Monate. Vor Beginn werden die Patienten intensiv geschult und die Geräte durch Mitarbeiter des Telemedizinzentrums ausgehändigt. Einmal wöchentlich erhält der Patient einen Anruf aus dem Telemedizinzentrum oder einen Besuch. „Bereits das Gefühl, ständig unter ärztlicher Beobachtung zu stehen, gibt den kranken Menschen mehr Sicherheit und erhöht ihre Lebensqualität“, sagt Lubinski. Die Teilnahme am Projekt ist für alle DAK-Versicherten freiwillig und kostenlos. Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass die Versicherten zuvor stationär am UKSH in Kiel oder Lübeck mit der Hauptdiagnose „Herzinsuffizienz“ behandelt wurden. Zudem muss bei den Teilnehmern die Herzleistung um mindestens 55 Prozent reduziert sein.

2008 wurden in Schleswig-Holstein fast 10.000 Menschen mit einer schweren Herzschwäche im Krankenhaus behandelt. Aktuell gibt die DAK in Schleswig-Holstein jährlich mehr als drei Millionen Euro für die Behandlung ihrer Versicherten mit schwerer Herzschwäche aus. Nach Schätzungen des Fritz Beske Instituts in Kiel werden die jährlichen Behandlungsfälle von Herz- und Kreislauferkrankungen in Deutschland von rund 115.000 im Jahr 2000 auf rund 157.000 im Jahr 2020 und über 190.000 im Jahr 2050 steigen.

 

 

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Campus Lübeck