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Griechenland: Wieder katastrophale Lebensbedingungen für Flüchtlinge

Berlin, 22.09.17 - Bis zu 16 Menschen pro Fünf-Personen-Zelt, Kinder sind Gewalt und Missbrauch ausgesetzt, sogar Säuglinge müssen auf dem Boden schlafen: Wieder sind die Lebensbedingungen für Flüchtlinge auf den griechischen Inseln katastrophal, warnt Save the Children...

Im September kamen täglich rund 200 Personen auf den Inseln Samos, Lesbos, Chios, Leros und Kos an. Das ist die höchste Zahl seit März 2016 und bringt die Aufnahmezentren abermals an den Rand ihrer Kapazitäten. Die meisten Menschen kommen aus den Kriegsgebieten im Irak und Syrien. Seit August sind mehr als 6000 Personen in Griechenland angekommen, rund 40 Prozent davon Kinder.

Wasserknappheit, mangelhafte Hygiene und unzureichende sanitäre Einrichtungen erschweren die Bedingungen. Ratten und Mäuse sind weit verbreitet, und improvisierte elektrische Leitungen stellen eine große Gefahr für Kinder dar. Immer wieder gibt es Fälle von Missbrauch und Gewalt gegen Kinder. Auch die langfristigen Folgen für Mädchen und Jungen sind gravierend: Halten sie sich längere Zeit in einem solch unsicheren Umfeld auf, kann das zu enormen Stress, Angstzuständen, Depressionen und Selbstverletzung führen, wie der im März veröffentlichte Bericht von Save the Children verdeutlicht.

Bis zu 10.000 Menschen befinden sich momentan in Erstaufnahmezentren, die eigentlich nur 5.576 Personen aufnehmen können. Etwa 600 Kinder, darunter 76 unbegleitete oder von ihren Familien getrennte, leben unter diesen Umständen. Sie sitzen in den Zentren fest, solange keine Entscheidung im Asylverfahren getroffen wurde.

Andreas Ring von Save the Children Griechenland berichtet: „Zwei Jahre nach Beginn der Krise sehen wir immer noch Familien, die sich zu kleine Zelte teilen müssen, und Kinder und Babys, die auf dem Boden schlafen. Mütter berichten uns, dass sie keine Arzttermine für ihre Kinder bekommen, schwangere Frauen rutschen auf dem matschigen Boden aus. Wir wissen von drei Familien mit insgesamt 16 Menschen, darunter eine schwangere Frau, die ein Zelt teilen, das ursprünglich für fünf Personen gedacht war. Das ist kein sicheres Umfeld für Kinder und birgt hohe Risiken für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden.

Die Asylverfahren laufen im Schneckentempo, die meisten Menschen müssen hier daher lange Zeit verharren. Die Unsicherheit über ihre Zukunft und die extrem schweren Lebensbedingungen bringen die Menschen an die Grenze ihrer Belastbarkeit, vor allem wenn sie bereits traumatische Erlebnisse in ihren Heimatländern hatten.“

Save the Children fordert die griechische Regierung auf, mehr gegen die Überfüllung und die katastrophalen Lebensbedingungen zu unternehmen. Die Inseln müssen unverzüglich entlastet werden, unter anderem dadurch, dass Menschen der Zugang zum Festland erlaubt wird – allen voran denen, die am meisten gefährdet sind. Die Regierung sollte außerdem die Aufnahmebedingungen verbessern und die Sicherheit der Kinder in den Lagern garantieren.

Save the Children zeigt sich äußerst besorgt darüber, dass der Zugang zu Humanitärer Hilfe sinkt, während der Bedarf dafür steigt. Grund dafür ist der Rückgang finanzieller Unterstützung für die Bewältigung der Flüchtlingskrise auf den griechischen Inseln, was auch dazu führt, dass NGOs ihre Arbeit einschränken oder sich ganz zurückziehen müssen. Save the Children ist weiterhin auf einigen Inseln tätig, musste jedoch ebenfalls die Arbeit reduzieren. Save the Children fordert Geber und die griechische Regierung auf, die Verfügbarkeit von Mitteln sicherzustellen, damit die notwendige humanitäre Arbeit auf den Inseln weitergeführt werden kann.

Zahlen und Fakten..

Anzahl der Flüchtlinge und Migranten in den Erstaufnahmezentren auf den Inseln Samos, Chios, Lesbos, Leros und Kos:

Samos = 2.817 (eigentliche Kapazität =700)

Chios = 1.213 (eigentliche Kapazität = 894)

Lesbos = 4.352 (eigentliche Kapazität = 2.330)

Leros = 705 (eigentliche Kapazität =880)

Kos = 808 (eigentliche Kapazität =772)

Quelle: Bericht des zuständigen Ministeriums, 18. September 2017

Der UNHCR berichtet, dass mindestens 3.584 Menschen im August und 3.321 Menschen im September angekommen sind (Stand 17. September).

Aussender: Save the Children Deutschland e. V., Bastian Strauch
Redaktion: Torben Gösch

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