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Kinderflüchtlinge versäumen 700 Millionen Schultage pro Jahr

Berlin, 19.09.17 - Kinderflüchtlinge haben im vergangenen Jahr fast 700 Millionen Schultage verloren, trotz der Versprechen der Vereinten Nationen, ihnen wieder Bildungszugang zu ermöglichen. Das sind pro Kind durchschnittlich 200 Schultage im Jahr. Dies geht aus dem aktuellen Report von Save the Children hervor...

Gerade syrischen Kinderflüchtlingen fehlt der Zugang zu Bildung. Noch immer besuchen 43 Prozent der schulpflichtigen Kinder keine Schule. Über 700.000 syrische Kinderflüchtlinge erhalten keine Ausbildung und sind so eher Frühverheiratungen oder Kinderarbeit ausgesetzt. Die syrischen Nachbarländer, in denen Millionen Flüchtlinge leben, haben schon viele Fortschritte erzielt, die Kinderflüchtlingen Bildung ermöglichen. Das allein ist aber nicht ausreichend. Barrieren, wie die Notwendigkeit von Kinderarbeit für den Familienunterhalt, da Eltern oft nicht arbeiten dürfen, Angst vor Belästigung von Mädchen auf dem Weg zur Schule und ein Mangel an bezahlbarem Transport zur Schule, behindern alle Fortschritte und bringen Kinder dazu, die Schule abzubrechen oder überhaupt zu besuchen. Allein im Libanon, in Jordanien und in der Türkei versäumten die syrischen Kinder mehr als 133 Millionen Schultage in einem Jahr.

„Bildung bedeutet Zukunft. Bildung bedeutet Schutz. Wenn Kinder nicht zur Schule gehen, sind sie viel anfälliger für Ausbeutung und Missbrauch", betont Helle Thorning-Schmidt, CEO von Save the Children International. „Schulen bieten Sicherheit und Kinder können sich dort von psychischem Stress erholen – besonders diejenigen, die vor extremer Gewalt geflohen sind."

Die große Bildungslücke bleibt trotz der Zusagen auf dem UN-Flüchtlingsgipfel bestehen. Viele dieser Zusagen waren keine neuen, sondern nur erneuerte Zusagen, die schon auf der Syrien-Konferenz in London im Februar 2016 gemacht wurden. Neben der ausreichenden Finanzierung müssen aber die strukturellen Hürden abgebaut werden, um die bisher 300.000 vakanten Schulplätze zu besetzen.

„Die Welt kam im vergangenen Jahr bei der UN-Vollversammlung zusammen und verpflichtete sich, mehr für Kinderflüchtlinge zu tun und jedem Kinderflüchtling innerhalb weniger Monate, den Schulbesuch zu ermöglichen“, so Helle Thorning-Schmidt. „Aber das war nicht ausreichend. Die Regierungen müssen die vielen Hürden abbauen, die diese Kinder daran hindern, Bildung zu erhalten und damit später ihre Länder wieder aufzubauen. Die internationale Gemeinschaft muss diese Woche vorwärts kommen, um ihr Versprechen an die Kinderflüchtlinge zu halten. Sonst wird diesen Kindern ihre Zukunft gestohlen – durch Krieg und Flucht und auch, wenn ihnen das Recht zu lernen, verweigert wird."

In Syrien gehen fast zwei Millionen Kinder nicht zur Schule. Kämpfe an Orten wie Rakka, wo mehr als 150.000 Kinder in den letzten Monaten vertrieben wurden, machen es extrem schwierig, Kinder überhaupt einzuschulen und Schulen wieder aufzubauen. „Kinder, die den Krieg und extreme Gewalt erlebt haben, möchten unbedingt wieder zur Schule. Das berichten uns die Mädchen und Jungen immer wieder", erklärt Sonia Khush, Save the Children Länderdirektorin für Syrien. „Unsere Erfahrungen in den Nachbarländern haben gezeigt, dass Kinder, die zur Schule gehen, sich besser von dem Erlebten erholen. Dazu braucht es aber mehr Zusagen und Engagement, um Bildung und psychosoziale Unterstützung zu ermöglichen.“

Aussender: Save the Children Deutschland e.V., Claudia Kepp
Redaktion: Torben Gösch

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