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Sierra Leone gilt als Ebola-frei, doch Gesundheits- und Bildungssysteme sind zerstört

Berlin, 10.11.2015. Die Kinderrechtsorganisation Save the Children ist erleichtert, dass die WHO Sierra Leone als Ebola-frei erklärt hat. Dennoch warnt das Hilfswerk vor den verheerenden langfristigen Folgen der tödlichen Epidemie für Kinder. „Es hat lange gedauert und viele Mühen gekostet, bis Sierra Leone Ebola-frei geworden ist.

Aussender: Save the Children e. V.

Es ist eine große Erleichterung für das Land, doch man muss beachten, dass 1,8 Millionen Kinder für neun Monate lang keine Schule besucht haben. Das beeinflusst ihr Wohlergehen und ihre Sicherheit“, sagt Isaac Ooko, Länderdirektor von Save the Children Sierra Leone.

„Schulen waren sehr lange geschlossen und der ganze Alltag im Land war sehr eingeschränkt. Seitdem gibt es deutlich mehr Schwangerschaften bei Jugendlichen. Tausende Waisenkinder, deren Eltern oder Versorger dem Virus erlagen, sind von Missbrauch und Ausbeutung gefährdet“, ergänzt Ooko.

Zwar sind die Schulen wieder eröffnet worden, jetzt gilt es für die Kinder aber, den versäumten Lernstoff wieder aufzuholen. Außerdem muss das nahezu komplett zusammengebrochene Schulsystem wieder angekurbelt werden. Während Kinder sonst durch das Netz der traditionellen Großfamilie gehalten wurden, hält jetzt die Angst vor erneuter Ansteckung und die Diskriminierung ehemaliger Infizierter weiter an. Deshalb müssen viele Kinder allein zurechtkommen. Durch den elf Jahre dauernden blutigen Konflikt vor der Epidemie waren Haushalts- und Gemeindeeinkommen bereits stark geschwächt. Ebola hat die Situation noch dramatisch verschlechtert. Viele Familien haben noch nicht einmal das Einfachste für ihre Kinder zum Essen und können sie nicht ausreichend schützen.

Auch das Gesundheitssystem, das seit dem Konflikt ohnehin geschwächt war, liegt nun wieder fast völlig brach: Das Ebola-Virus hat fünf Prozent der Ärzte und sieben Prozent der Hebammen getötet.

„Kinder haben kaum Zugang zu Gesundheitsversorgung: Routineimpfungen gegen Kinderkrankheiten wie Masern oder Windpocken, lebensrettende Malaria-Behandlung, HIV-Medikamente und prä- und postnatale Versorgung – das alles findet kaum statt“, sagt Natasha Quist, Regionaldirektorin von Save the Children in West- und Zentralafrika.

„Wir appellieren an die internationale Gemeinschaft, die westafrikanischen Regierungen beim Wiederaufbau des Gesundheits- und Bildungssystems in Sierra Leone, Liberia und Guinea maßgeblich zu unterstützen, damit Frauen und Kinder wieder die medizinischen Einrichtungen nutzen können, die für ihr Überleben unverzichtbar sind“, fügt sie hinzu.

Save the Children unterstützt den Wiederaufbau von Gemeinden, Gesundheits- und Bildungssystemen. Zusammen mit dem Bildungs-, Wissenschafts- und Technologieministerium arbeitet die Kinderrechtsorganisation an einem Lehrplan-Konzept und baut in schwer betroffenen Gemeinden Bibliotheken auf, verteilt Bücher, Schultaschen und Stifte an Kinder. Zusätzlich bildet sie Lehrer in der Erkennung von traumatischen Belastungsstörungen fort. Die Organisation hilft der Regierung in Sierra Leone bei der Umsetzung der 90-tägigen Kontrollmaßnahmen, die einen neuen Ebola-Ausbruch im Land verhindern sollen.

Der unvorhergesehene Ausbruch des Virus in Westafrika war der schlimmste in der Geschichte: Mehr als 11.000 Menschen kamen ums Leben, fast 4.000 davon in Sierra Leone.

Hintergrundinformationen:

Save the Children arbeitet seit fast 30 Jahren in Westafrika.

Die Ebola-Nothilfe von Save the Children umfasste:

- Die Weiterbildung von fast 2.000 Gesundheitsmitarbeitern, damit sie auf präventive Maßnahmen, Verbreitung und Symptome vorbereitet sind

- Ausstattung der Gesundheitszentren beispielsweise mit Möglichkeiten zum Hände waschen, Chlor, Medikamente, Schutzkleidung und Thermometern

- Verteilung von Büchern, Stiften und Taschen an 26.000 Kinder und mehr als 1.100 Radios an Haushalte in Freetown, damit die Menschen zu Hause aufgeklärt werden

- Koordinierung von Lehrern, die den Lernfortschritt bei von Schulschließung betroffenen Kindern zu Hause überprüft haben

- Schulung von mehr als 830 Lehrern, um Anzeichen von Traumata bei Kindern zu erkennen

Link: Laden Sie das aktuelle Magazin herunter, unter http://www.savethechildren.de/fileadmin/Dokumente_Download/KdW/Kinder_der_Welt_09_2015_Save_the_Children.pdf

Aussender: Claudia Kepp, Save the Children Deutschland e.V.
Redaktion: TG

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